Montag, 6. November 2017

Mein Besuch in den Paigah Tombs

Am 14.10. besuchte ich gemeinsam mit einem luxembourgischen Studenten, den ich über einige Ecken kennengelernt hatte und zwei indischen Freunden von ihm die Paigah Tombs. Die Paigah Familie ist ein Adelsgeschlecht, dass seit Jahrhunderten in Hyderabad hohe Positionen, vor allem in Gerichten besetzt. Die Paigah Tombs sind daher pompöse Grabstätten, in denen verstorbene Familienmitglieder seit Jahrhunderten beigesetzt werden.

Als Serge, der Student, mich fragte, ob ich mit ihm dort hingehen will, schaute ich mir die Bilder dazu in Google an und sagte sofort zu! Die drei hatten geplant, dort Photos zu machen, ich wollte mir das ganze einfach nur anschauen und einen schönen Samstag haben. Dort angekommen konnte ich meinen Augen kaum trauen. So verfallen die Gräber und Mausoleen auch waren, sie waren dennoch wunderschön. Die Gräber der Familie reihten sich zwar aneinander, dennoch hatte es nichts erschreckendes oder gruseliges, es war einfach ein besinnlicher, schöner Ort. Wir schauten uns ein wenig um und Serge übersetzte mir die Grabinschriften, die auf Urdu verfasst und deswegen für mich unentzifferbar waren. In den Paigah Tombs befinden sich verschiedene Mausoleen für die einzelnen Generationen und jedes Mausoleum ist auf seine Art verziert. Das eine hat filigran geschnitzte Türen und Fenster, in einem anderen sind die Wände wunderschön bemalt und mit Handabdrücken verziert, in wieder einem anderen sind die Wände wabenartig aufgebaut und sorgen für Schattenspiele. Jegliche Verzierungen zeigen verschiedene Epochen der muslimischen Kunst und es ist faszinierend, was Serge, der in Indien ist, um die Religionen dort zu studieren, mir über die Gräber erzählen kann.
Auf dem ganzen Gelände laufen Ziege und Hühner frei herum, niemand stört sich an ihnen und sie scheinen sich wohlzufühlen. Während die Jungs ihre Photos machen, schaue ich mich auf dem Gelände um und werde dabei auch zum Photomotiv. Das wohl beeindruckenste auf dem Gelände ist die riesige Moschee, die an dem Tag leider geschlossen ist, von vielen Moslems aber oft besucht wird.


Als die Gräber schließen, machen wir uns auf dem Weg zu einem kleinen Restaurant, wo wir einen Chai trinken und die Bilder betrachten. Auf dem Weg zu dem Restaurant, in dem wir zu Abend essen wollen, überreden die Jungs mich noch dazu, ein typisch indisches Eis zu probieren und ich muss zugeben, dass dieses Eis wirklich sehr lecker ist. In dem kleinen Restaurant angekommen, über das die drei schon den ganzen Weg geschwärmt haben, bestellen wir uns Naan, eine Art Fladenbrot, und verschiedene Currys. Es ist so unverschämt lecker, dass ich mir richtig den Bauch vollschlage und mich danach so fühle, als ob ich für den Rest der Woche nichts mehr essen müsste. Trotzdem machen wir uns wieder auf den Weg, weil die Jungs der Meinung sind, dass ich unbedingt noch einen Zitronentee trinken müsste. Gesagt, getrunken und nicht bereut mache ich mich schließlich satt und zufrieden auf den Heimweg und lege mich glücklich über den schönen Tag schlafen.





Montag, 23. Oktober 2017

Ujjwalla Home for trafficked women

Am 10.10.17 besuchte ich gemeinsam mit meiner Mentorin ein Frauenhaus für ehemalige Sexarbeiterinnen. Nach längerer Suche fanden wir das Heim schließlich in einer kleinen Nebengasse. Dort angekommen wurden wir von der Chefin des Heims sehr freundlich empfangen und sie erzählte mir einiges über das Heim. Zurzeit wohnen 21 Frauen zwischen 20 und 45 Jahren in dem Heim und auch das Kind einer Bewohnerin. Der Name des Heims lautet Ujjawala Protection and Rehabilitation Home und Ujjawala bedeutet Lichtblick, was dieses Haus für Frauen ist. Den Bewohnerinnen besuchen Programme, in denen ihnen Life-Skills wie Nähen, Taschen machen, Körbe flechten, Armbänder herstellen beigebracht werden oder sie die Arbeit als Kosmetikerin lernen. Auch haben sie jeden Morgen eine Yoga-Stunde und können abends gemeinsam Fernsehen oder sich unterhalten.
Die Gründe, die dazu führen, dass Frauen in die Hand von Menschenhändlern und dadurch in die Sex-Arbeit geraten sind der Wunsch nach einfachem Geld, oft hervorgerufen durch Armut, Ehemänner, die ihre Frauen vernachlässigen, Analphabetismus oder keine Aussichten auf einen Beruf. Dadurch landen sie auf der Straße, werden von Menschenhändlern aufgegriffen oder mit falschen Versprechen gelockt und dann eingesperrt und schließlich verkauft.
Die Folgen, die die Frauen davontragen, sind vielfältig. Zum einen fallen sie in ein soziales Loch, da niemand mehr mit ihnen etwas zu tun haben will, Alkoholismus, da sie mit dem Alkohol die Schmerzen betäuben, Unmengen von gesundheitlichen Problemen, wie Geschlechtskrankheiten, Leberprobleme, Depressionen und vielerlei mehr.


Die Beraterinnen in dem Frauenhaus bieten den Frauen gesundheitliche Hilfe, bringen sie in Krankenhäuser und übernehmen die Behandlungskosten. Einmal pro Woche kommt ein Arzt in das Heim und untersucht die Frauen. Auch versuchen sie, die Frauen mit ihren Familien wieder zusammenzuführen und sie gesellschaftlich wieder einzugliedern. Dafür sind die Life-Skill Programme, die den Frauen die Möglichkeit bieten, nach dem Verlassen des Schutzheims wieder einen Beruf zu finden.



Der wichtigste Punkt ist, dass sie den Frauen helfen, aus der Sexarbeit zu kommen und ihnen die Möglichkeit auf ein normales Leben zu geben. Die Sexarbeit ist in Indien nicht legal und die Frauen werden auf der Straße von Polizisten aufgegriffen und zunächst in eine Frauen-Polizeistation gebracht von wo aus sie in die Schutzheime gebracht werden. Das Heim ist kein Gefängnis, die Frauen haben aber dennoch keinen freien Ausgang, um nicht wieder in die Sex-Arbeit zu kommen und auch, um sie vor ihren Freiern und Ehemännern zu schützen. Die Zeit, die die Frauen in dem Heim verbringen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, meistens ist es aber ein Zeitraum von 6 Monaten.









Mittwoch, 18. Oktober 2017

Die Stärke in der Schwäche

Dies ist der wohl der Blogeintrag, über den ich am längsten nachdenken musste. Nicht darüber was ich schreibe, sondern darüber, wie ich es schreibe. Ich hasse nichts so sehr wie Geheimnisse und deshalb spreche ich es einfach aus: Das Abenteuer Indien ist für mich an dieser Stelle frühzeitig vorbei. Es fällt mir nicht leicht Tine alleine zurück zu lassen, aber für mich persönlich gibt es leider keine andere Lösung. Ich kann die Fragezeichen in den Augen der Leser nahezu vor mir sehen. „Ist etwas Schlimmes passiert? Ist jemand gestorben? Was bewegt sie dazu aufzuhören?“ Nein, zum Glück nicht. Aber es braucht nicht immer eine mittelschwere persönliche Katastrophe, um in ein Loch zu fallen. Mein persönliches Umfeld versteht warum ich meine Heimreise antreten muss, und wenn alle anderen in Verschwörungstheorien versumpfen, kann ich das leider auch nicht ändern. Es ist mir nur wichtig festzuhalten: Es liegt nicht an dem Land und den Leuten hier. Mein Scheitern soll nicht als Beweis gesehen werden, wie „unaushaltbar“ das Leben im Globalen Süden ist. Es ist anders, keine Frage. Aber nur weil für mich das Leben hier nicht mehr möglich ist, heißt es nicht dass ich damit irgendwelche Klischees befeuern möchte. Auch wenn ich vergleichsweis nicht lange hier war, habe ich doch sehr viel lernen können. Vor allem über Feminismus und alleine für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar und dieses Thema wird mich auch in Deutschland nicht mehr so schnell loslassen. Für mich persönlich ist allerdings die wichtigste Lehre: Es ist ok sich sein Scheitern einzugestehen. Seine Stärke gerade in der Schwäche zu finden. So paradox es klingen mag, ich habe es nie für möglich gehalten, dass ich es mal schaffen werde, mir einzugestehen, dass ich etwas nicht geschafft habe. Aber genau das mache ich jetzt und es ist unendlich befreiend. 

Montag, 16. Oktober 2017

Das Wandern ist des Inders Lust


Dachte ich zumindest. Am Sonntag, dem 08.10. gingen wir, also ich und 4 der anderen Freiwilligen, die hier in Hyderabad sind, auf eine Wanderung, zu der auf Facebook geworben wurde. Da der Treffpunkt für 7:30 Uhr morgens angedacht war, stellt ich meinen Wecker auf 4:45 Uhr, um auch ja pünktlich zu sein. Etwas morgenmuffelig machte ich mich also fertig und setzte mich um 6:00 Uhr ins Taxi. Wie lange man hier für eine Strecke braucht, ist nämlich von Tageszeit, Wetter, Taxifahrer und allen möglichen anderen Punkten sehr abhängig. Am Tag vorher hatte ich also auf Google-Maps geguckt, wie lange es ungefähr dauern würde, bis ich an dem Treffpunkt ankommen würde und dort hieß es, dass ich 57 Minuten einplanen müsste. Also plante ich diese 57 Minuten und eine halbe Stunde Puffer ein, da man hier wirklich nie sicher sein kann. Was ich natürlich nicht bedacht hatte, war dass ich am Abend zuvor zur Hauptverkehrszeit geschaut hatte und Google-Maps praktischerweise das Verkehrsaufkommen mit berechnet.

Um 6:30 Uhr kam ich also an meinem Ziel an, eine Stunde zu früh. Ich lachte ein bisschen über meine eigene Dummheit und dachte mir, dass ich die verbleibende Zeit jetzt auch nutzen könnte, um mich ein bisschen umzuschauen. Ganz in der Nähe von unserem Treffpunkt war eine kleine Wohnsiedlung, die ich erkundete. Die Bewohner dieser Siedlung schauten mir amüsiert dabei zu, wie ich versuchte, Pfützen und Kuhfladen auszuweichen. In meiner Jeans, meinem T-Shirt und meinen Turnschuhen, die ich aufgrund der anstehenden Wanderung angezogen hatte, fiel ich an diesem Tag noch viel mehr auf als sonst, weswegen ich bald ungewollt zur Attraktion in der Siedlung wurde. 15 Minuten später war ich schließlich aber auch schon mit dem Erkunden der Siedlung fertig, es ist wirklich eine sehr kleine Siedlung…

Als ich aus einer der Gassen wieder zurück zu dem Treffpunkt laufen wollte, begegnete ich zwei streunenden Hunden, die mich sehr freundlich anwedelten und, genau wie die anderen Bewohner der Siedlung, nicht mehr aus den Augen ließen. Hundeverliebt, wie ich nun mal bin, fing ich an, ein bisschen mit den Hunden herumzualbern und als ich das Gefühl hatte, dass sie mich nicht beißen wollten, streichelte ich die beiden. Die Hunde gaben beide ihr Bestes, um jeweils als einziger meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Es ging von Pfötchen geben über im Kreis drehen bis zum hochspringen an meiner Hose. Irgendwann setzte ich mich auf ein paar herumliegende Rohre und wurde prompt von einem der Hunde verfolgt, der andere zog beleidigt ab, weil er meinte, nicht genug Aufmerksamkeit meinerseits bekommen zu haben. Der verbleibende Hund wurde immer kuscheliger und lag irgendwann auf meinem Schoß, wo er sich zufrieden den Bauch kraulen ließ. Dass seine Pfoten matschig waren, war ihm egal und ich akzeptierte dann auch mein Schicksal, den restlichen Tag mit dreckigen Jeans und einem T-Shirt mit Pfotenabdrücken rumzulaufen. Als es Zeit wurde, zu dem Treffpunkt zurück zu kehren, musste ich mich schweren Herzens von meinem neuen Freund verabschieden, er ließ mich aber nicht alleine gehen und begleitete mich noch bis zu dem Treffpunkt, an dem inzwischen auch die anderen Freiwilligen eingetroffen waren.

Nach und nach trudelten auch die anderen Wanderinteressierten ein und indisch-pünktlich um 8:00 Uhr traf auch unser Guide ein. Als wir alle ein Klemmbrett und Papier in die Hand gedrückt bekamen, waren wir ziemlich verwirrt und als klar wurde, dass dies eine Wanderung mit integriertem Zeichenkurs war, waren alle ziemlich überrascht. Wir bekamen die Aufgabe, einen der Mitwanderer zu zeichnen und als wir alle unsere Zeichnungen zeigten und geraten wurde, wen wir gezeichnet hatten, konnte niemand erkennen, wen ich gezeichnet hatte…so viel zum Zeichenkurs.

Schließlich machten wir uns auf in das Gelände, in dem wir wandern wollten. Diese Gelände sind viele riesige Steinbrocken, die an einigen Stellen Hyderabads zu finden sind und öffentlich zugänglich sind. Wir kletterten also munter durch die Gegend und als wir an einem großen Felsplateu Halt machten, staunten wir nicht schlecht über den Ausblick, der sich uns bot. Ein großer See lag vor uns, daneben eine Siedlung und im Hintergrund riesige Wolkenkratzer. Ein Aufeinanderprallen von Welten. Nun sollten wir einen Comic über eine von uns ausgedachte Geschichte zeichnen, was wir schnell taten um dann die Aussicht weiter bestaunen zu können. Danach zogen wir weiter zu einem kleinen Tempel, der in die Steine eingemeißelt war und beendeten dort unsere Tour. Danach gingen wir zu fünft noch etwas trinken und ich machte mich mit dem Taxi wieder auf den Weg nach Hause, diesmal brauchte ich anderthalb Stunden, um dort anzukommen…





Freitag, 6. Oktober 2017

Und wir tanzten im Regen…

…während des Bathukamma Festivals. Der Grund, warum ich mir meine Halb-Saree gekauft hatte war, dass wir auf das Bathukamma Festival gehen wollten. Worum es bei Bathukamma geht, habe ich in diesem Blogartikel erklärt.

Am Morgen des Festivals wachten wir auf und das Wetter stand eindeutig nicht auf unserer Seite. Noch regnete es nicht, aber es würde wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis es soweit wäre. Ich fragte also meine Mentorin, ob wir trotzdem zu den Feierlichkeiten gehen sollten und sie schrieb mir nur „We will go“ und damit war das geklärt.

Als sie in unserem Apartment ankam, half sie mir, die Halb-Saree anzuziehen, gab mir passenden Schmuck und Melanie eine Leggins und einen Schal, die zu ihrer fancy Kurta passten. Dann bestellten wir uns ein Taxi, inzwischen hatte es angefangen zu regnen wie aus Eimern. An unserem Ziel angekommen – wir wussten beide nicht so genau, wo unsere Mentorin hinwollte – sahen wir, dass es ein riesiges Stadion war. Als wir fragten, wofür das Stadion war, erklärte sie uns, dass dort Cricket-Spiele stattfinden würden. Wir waren überrascht, da wir nicht gedacht hätten, dass man dafür eine Fläche brauchen würde, die mindestens so groß wäre wie die eines Fußballstadions.
Das gesamte Stadion war voller tanzender Frauen in bunten Sarees, die meisten trugen gelb-gemusterte. Unsere Mentorin erklärte uns, dass diese Sarees Spenden der Regierung an ärmere Frauen waren, damit diese das Festival dennoch genießen können. Als wir auf den Rasen traten, war dieser patschnnass und matschig und innerhalb kürzester Zeit waren meine Schuhe, meine Füße und der Saum meines Rocks so dreckig, dass ich mich fragte, ob ich sie jemals wieder sauber kriegen würde. Einige Frauen kamen auf mich zu und forderten mich auf, mit ihnen zu tanzen. Ein bisschen verwirrt war ich am Anfang schon, da ich die Tänze nicht kannte, die Frauen halfen mir aber und freuten sich einfach, dass ich mit ihnen feierte. Auf einmal rutschte eine der Frauen im Matsch aus und fiel hin und zunächst war der Schreck groß, als sie dann aber meinte, dass ihr nichts passiert sei, brachen alle in Gelächter aus.

Während wir weiter über den Platz gingen, kamen Kamerateams zu uns, die uns ins Fernsehen bringen wollte und Radioteams, die uns interviewen wollten. Wir wimmelten sie ab und ich wurde noch einige Mal aufgefordert, mit verschiedenen Frauengruppen zu tanzen, was ich dann auch tat und von Mal zu Mal besser wurde.

Unsere Mentorin machte ein Photo von uns, als wir vor einem riesigen Blumengesteck standen. Was allerdings nur wir sahen, sie aber nicht, war, dass nicht nur sie das Motiv schön fand. Hinter ihr stand auf einmal ein Knäul an Photographen, die eifrig vor sich hin knipsten. Dementsprechend waren wir nicht überrascht, als am nächsten Tag ein Photo von uns in der Zeitung war. Die Bildunterschrift war allerdings eher schlicht und sagte „Ausländer tragen indische Kleidung“.

Schließlich setzte wieder der Regen ein und wir machten uns so schnell wie möglich auf zu den überdachten Sitzplätzen. Wir buchten ein Taxi zurück nach Hause und betrachteten im (noch) sauberen Taxi angekommen erstmal unsere Füße und Schuhe, die unter der Matsch- und Grasschicht kaum noch zu erkennen waren. Alles in allem war es aber ein sehr schöner, freudiger und bunter Tag, der mit einem gemütlichen Abendessen in unserer Wohnung ein gutes Ende fand.




Montag, 2. Oktober 2017

Sie waschen, sie waschen, sie waschen den ganzen Tag...

Waschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einen Blogartikel darüber schreiben würde, wie ich meine Kleidung waschen würde, bevor ich nach Indien gekommen bin. Daheim werfe ich meine benutze Kleidung erst in meinen Wäschekorb und dann in den Wäscheschacht, von wo er in unsere Waschküche fällt. Ab dem Moment, in dem meine Wäsche in der Waschküche liegt, kümmert sich (dankenswerterweise!!) meine Mutter darum, dass die Wäsche gewaschen, getrocknet, gebügelt und gefaltet wird und ich muss sie dann nur noch aus dem Keller in mein Zimmer tragen und in meinen Kleiderschrank einräumen.

Das läuft hier alles etwas anders ab. Wir haben in unserem Apartment keine Waschmaschine, allerdings muss ich zugeben, dass ich mit einer indischen Waschmaschine wahrscheinlich sowieso zunächst überfordert wäre…. Wir haben aber eine Waschküche. Das ist einfach ein überdachter Balkon, auf dem sich eine Erhöhung befindet, die einen Abfluss und einen Wasserhahn hat. Auch ist quer durch den kleinen Raum eine Wäscheleine gespannt. Diese Wäscheleine hat für uns 2 Mädels natürlich nicht gereicht, weswegen auf unserem Balkon jetzt auch eine Leine hängt.
Nun aber zum Waschen: Ich fange damit an, meine Kleidung aufzuteilen. Wenn ich etwas Weißes habe, wird es separat gewaschen und auch meine Höschen wasche ich extra. Ich nehme mir also einen großen und einen kleinen Eimer, werfe die Kleidungsstücke hinein, gebe Wasser und 2 Löffel Waschpulver hinzu. Wahrscheinlich ist es viel zu viel Waschpulver aber hier gehe ich nach der Taktik „Viel hilft viel.“. Je nachdem, zu welcher Tageszeit ich Wasche und wie das Wetter an dem Tag war, ist das Wasser, was aus dem Wasserhahn kommt schon warm. Wenn das nicht der Fall ist, koche ich Wasser auf und kippe das mit in die Eimer. Dann lasse ich die Klamotten einige Zeit einwirken. Wie lang ist immer davon abhängig, was ich in der Zeit mache, es sind aber immer mindestens 15 Minuten. Dann geht’s an den eigentlichen Teil des Waschens. Ich fülle mir 2 weitere Eimer mit Wasser und fangen an, die Kleidungsstücke aus dem Eimer zu fischen. Ich rubble sie noch mal unter den Armen und am Kragen und an all den Stellen, die dreckig werden sauber. Dann drücke ich sie auf dem Boden aus, bis kein Wasser und Schaum mehr herauskommt. Als nächstes wasche ich sie im ersten Eimer mit sauberem Wasser aus, wringe sie wieder aus und spüle sie in dem anderen Wassereimer aus. Dann wringe ich sie erneut soweit aus, dass kein Tropfen Wasser mehr herauskommt und lege sie bis zum Aufhängen beiseite. Meistens arbeite ich mich bei den Klamotten von den hellsten zu den dunkelsten, da die indischen Klamotten sehr oft abfärben und das Wasser somit am Anfang noch sauber ist. Wenn ich es nach dem Waschen wegschütte, ist es meistens sehr sehr dunkel und ich frage mich bis heute, ob das von den Farben aus der Kleidung oder dem Smog kommt, wirklich dreckig sind meine Klamotten hier nämlich nie…


Wenn ich alles fertig gewaschen habe, geht es dran, die Sachen aufzuhängen. Hier in Indien ist es nicht gerne gesehen, wenn man seine Unterwäsche öffentlich trocknet. Deswegen hänge ich meine Höschen in der Waschkammer auf und die restlichen Klamotten auf unserem Balkon. Da meine indischen Oberteile, Kurtas genannt, nicht faltig werden sollen, hänge ich sie auf Kleiderbügel und ziehe sie, soweit es geht, gerade. Meine restliche Kleidung klemme ich mit Wäscheklammern fest. Wenn ich abends wasche, kann ich meine Klamotten am nächsten Tag von der Leine nehmen, da sie bei den Temperaturen hier über Nacht trocknen.

Hier noch ein kurzes Video, wie das letztendlich aussieht:


Donnerstag, 28. September 2017

Eine Saree auf Umwegen

Am 28.09. nahmen wir an den Feierlichkeiten zum Bathukamma Festival teil. Am Dienstag dem 26.09. waren wir dafür zusammen mit unserer Mentorin eine Halb-Saree für mich kaufen. Den Unterschied zwischen Saree, Halb-Saree, Churidar, Kurta und Chudi werde ich in einem anderen Blogartikel ausführlich erläutern. Ich musste mich in dem Laden zwischen verschiedensten Stoffen, Farben, Schnitten und Dekorationen entscheiden und zum Schluss fiel meine Entscheidung auf eine hellblaue Saree mit rotem Tuch. Noch am gleichen Abend brachten wir die Saree zu einem Schneider, da die Blusen stets maßangefertigt werden. Wir erklärten ihm die Situation, dass ich die Saree bis Donnerstag früh bräuchte und er sich daher beeilen musste. Gegen einen Aufpreis sagte er uns zu. Als er sich den Stoff für die Bluse dann anschauen wollte, stellten wir mit Entsetzen fest, dass der Laden vergessen hatte, uns die Bluse einzupacken. Ohne Blusenstoff kann man aber nunmal keine Bluse nähen. Dankenswerterweise ist meine Mentorin dann wieder zurück zu dem Laden gefahren und hat den Blusenstoff abgeholt. Am nächsten Morgen haben wir uns dann in der Schneiderrei getroffen, diesmal MIT Blusenstoff, der Schneider hat meine Maße genommen und mir wurde gesagt, dass ich am nächsten Morgen, dem Morgen des Festivals, um 11 Uhr vorbei kommen könnte um die Halb-Saree abzuholen.

Am nächsten Morgen schälte ich mich gegen kurz nach 10 aus dem Bett, ging duschen und frühstücken. Als ich indisch-pünktlich um 11:15 Uhr das Haus verließ, um meine Bluse abzuholen, war ich guter Dinge, in wenigen Minuten meine erste eigene Halb-Saree in den Händen zu halten. In der Näherrei angekommen sah ich meine Bluse schon. Allerdings war sie noch nicht fertig und der Schneider grinste mich etwas zerknirscht an. Zum Glück brauchte er aber nicht mehr länger als 10 Minuten und als ich die Bluse anprobierte, war ich schon ganz aufgeregt. Da stand aber schon das nächste Problem im Raum: Die Bluse ging trotz starken Ziehens einfach nicht zu. Kurzerhand zog der Schneider die Nähte also wieder auf, nahm erneut meine Maße, nähte irgendetwas um und tadaa, beim nächsten Anprobieren passte die Bluse wie angegossen. Endlich glücklich und zufrieden zahlte ich die 400 Rupien (umgerechnet 5,20€) und ging vergnügt mit meiner fertigen Halb-Saree in einer Tüte nach Hause. Zuhause angekommen probierte ich die Bluse erneut an und erfreulicherweise passte sie immer noch. Als ich den zugehörigen Rock dann anziehen wollte, stutze ich etwas. Er war zu weit. Und zwar nicht nur ein bisschen zu weit, sondern viel zu weit. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als auf meine Mentorin zu warten, die und zu dem bevorstehenden Festival abholen und mir beim Anziehen der Halb-Saree helfen wollte. Trotzdem wollte ich sehen, wie die Bluse und der Rock zusammen aussahen. Also schnappte ich mir von der Wäscheleine eine Wäscheklammer, klammerte den Rock damit zusammen und betrachtete mich damit im Spiegel. Ich war zufrieden mit dem, was ich sah. Im Endeffekt ist es wie ein sehr bauchfreies Oberteil mit einem bodenlangen Rock. Das Problem mit dem Rock klärte sich dann auch, als unsere Mentorin zu uns kam. Der Sinn dahinter ist nämlich, dass man eine Schnur durch den Bund des Rockes zieht und dann verknotet. Gesagt, getan, Tuch gelegt und befestigt, auf einmal stand ich da in meiner neuen Halb-Saree, glücklich wie ein Honigkuchenpferd. Meine Mentorin stattete mich dann noch mit einer passenden Halskette und einem Armband aus und schon war ich bereit, auf das Festival zu gehen und mit den indischen Frauen die Weiblichkeit anzubeten.
Ein Selfie als ich fertig eingekleidet war
Bluse und Rock


Nur die Bluse
Zusammen mit meiner Teampartnerin Melanie
Von oben bis unten in Halb-Saree


Auf dem Festival mit Frauen in Sarees (damit man die Halb-Saree auch mal von hinten sieht)