Montag, 15. Januar 2018

...und weiter nach Gokarna!

Nachdem wir mit der Riksha wieder in Hospet angekommen waren, machten wir uns auf den Weg zum Sammelplatz, von wo aus es mit dem Bus weiter nach Gokarna gehen sollte. Nach viel Verwirrung, ob, wann, wo, wie lange und wohin überhaupt der Bus fahren würde, schafften wir es schließlich uns mit Händen und Füßen so zu verständigen, dass wir wussten, das wir am richtigen Ort waren. Nach einiger Zeit trafen auch die anderen Freiwilligen der Freunde ein, die ihre Einsatzstelle in Hospet haben und mit uns nach Gokarna gereist sind. Nach einiger Zeit kam schließlich der richtige Bus an, wir verstauten unser Gepäck und legten uns in unsere Kojen und ich war aufgrund der bequemen und großen Schlafplätze guter Dinge, eine angenehme Nacht vor mir zu haben.

Da hatte ich mich aber leider zu früh gefreut. Unser Busfahrer hatte leider einen Fahrstil, bei dem es mich in jeder Kurve von links nach rechts gegen die Seitenwand vom Bus oder von rechts nach links gegen die Metallstange, die mich davon abhielt aus meinem Bett zu fallen, warf. Nach einer nahezu schlaflosen Nacht kletterte ich morgens zerknittert und durchaus schlecht gelaunt aus dem Bus. Ich schaute Merlin an, der ähnlich schlecht geschlafen hatte und wir stellten fest, dass wir den Schlafzug dem Schlafbus deutlich vorziehen. Die anderen – bis auf Leo, der auch kein Auge zu getan hatte -  wirkten erholt und glücklich und waren total begeistert davon, wie toll die Nacht im Schlafbus war.



Von der Haltestelle, an der wir rausgelassen wurde, ging es mit einem normalen Bus weiter an die Strände. Als wir schließlich ankamen, war es 6 Uhr morgens und dunkel. Wir schleppten uns müde und genervt durch die Straßen und als wir schließlich am Strand ankamen, war ich auch ein wenig enttäuscht, da man aufgrund der Dunkelheit nichts sehen konnte. Dann suchten wir nach einem Hostel für die erste Nacht, wobei ich auf einmal angestupst wurde und vor Schreck in die Luft sprang. Bei dem Stupser handelte es sich um eine Kuh, die so groß war, dass sie mir gerade bis zur Hüfte ging. Diese Minikühe liefen in ganz Gokarna herum und nach dem ersten kleinen Schreck konnte ich mich sehr für sie begeistern. Wir fanden nach einiger Zeit ein Hostel, akzeptierten den (eindeutig zu hohen) Preis und schmissen uns nur noch ins Bett.

Nach ein paar Stunden Schlaf machten wir uns dran, die Gegend bei Tageslicht zu erkunden und ich war beeindruckt, wie schön Gokarna ist. Die kleinen Läden hatten offen, der Strand lag direkt vor unserer Nase und das Meer begrüßte uns mit lautem, angenehmen Rauschen.



Wir suchten uns ein Café für unser Frühstück und genossen unseren ersten Morgen am Meer. Wohin es danach weiter ging, erzähle ich im nächsten Blogartikel.

Im Schlafzug nach Hampi

Am 20.12. machten Leo, Skrollan, Toni, Merlin und ich uns gemeinsam auf den Weg nach Hampi, eine kleine Stadt und Tempelstätte in Karnataka. Bevor wir uns gegen 23 Uhr in den Schlafzug setzten, nahmen wir bei mir in der Wohnung ein leckeres, gesundes und nahrhaftes Abendessen von McDonalds zu uns. Gesättigt, müde aber auch voller Vorfreude suchten wir nach unseren Plätzen im Zug. Dort mussten wir zunächst ein paar andere Fahrtgäste, die aus Versehen unsere Plätze statt ihre Plätze einen Wagon weiter besetzt hatten, auf ihren Fehler Hinweisen, dann konnte die Fahrt aber losgehen. Wir legten uns direkt auf unsere Pritschen und schliefen die Nacht mehr oder weniger durch, bis wir am nächsten Morgen gegen 7 Uhr Hospet erreichten, eine Stadt in der Nähe von Hampi.


Von Dort aus ging es mit Riksha und Rucksack weiter nach Hampi. Zuvor hatten mir Merlin und Leo ganz begeistert von Hampi mit seinen tollen Läden, Restaurants, Chill-Out Cafés und der Umgebung erzählt, als wir dort aber ankamen, waren die Restaurants und Läden größtenteils geschlossen und Leo und Merlin waren verdutzt. In einem kurzen Gespräch mit einem Hampainer erfuhren wir, dass die Läden von der Regierung geschlossen wurden, da sie nicht angemeldet waren und die Regierung Hampi zu einem Touristenort umwandeln will und aus diesem Grund die Restaurants und Läden verstaatlichen will.

Enttäuscht und traurig darüber, dass die Existenz vieler Anwohner zerstört wurde, machten wir uns auf den Weg zur anderen Seite Hampis. Hampi besteht nämlich aus 2 Teilen, die von einem See in der Mitte geteilt werden. Den See kann man mit einem Motorboot überqueren, das dauern hin und her fährt. Auf der anderen Seite Hampis hatten die kleinen Läden und Cafès offen und die Straßen waren belebt. Auf dieser Seite Hampis waren die Geschäfte und Restaurants nämlich bereits seit Jahren angemeldet und wurden somit nicht geschlossen.

Wir liefen ein bisschen durch die Gassen und setzten uns schließlich in ein Cafè und stärkten uns für den Tag. Wir wanderten auch ein bisschen durch das sonnige Hampi um die Umgebung zu bewundern. Danach teilten wir uns auf, da jeder andere Sachen betrachten wollten, Merlin und ich machten uns wieder auf den Weg zur anderen Seite, da dort viele Tempel zu finden sind, die wir uns anschauen wollten. In einem dieser Tempel steht die Elefantendame Laxmi. Einerseits beeindruckt, einen Elefanten direkt und ohne Trenngitter vor uns zu haben, andererseits traurig über die Lebensumstände, in der sie leben muss, schauten wir dabei zu, wie Touristen Laxmi Geldnoten hinhielten. Sie nahm diese mit dem Rüssel entgegen, gab sie weiter an ihren Wärter und legte daraufhin den Rüssel auf den Kopf des „Spenders“ um ihn damit zu segnen. Der traurige Blick in den Augen des Elefanten zeigte aber, dass sie seit Jahren aufgegeben hatte und nur noch funktionierte.



Nach unserem Besuch im Tempel machten wir uns wieder auf den Weg zum See, um dort auf die anderen zu warten, damit wir unsere Reise nach Gokarna fortsetzen konnten. Wir kauften uns etwas zu trinken und ein Eis und setzten uns auf eine große Treppe. Schwatzend und lachend saßen wir da, als sich auf einmal eine kleine Hand mit starkem Griff um mein Eis legte. Erschrocken schrie ich auf, als ich bemerkte, dass es sich dabei um einen der vielen Affen handelte, die in Hampi rumhüpfen. Instinktiv ließ ich mein Eis los und überließ es dem kleinen Dieb. Danach schlichen die Affen die ganze Zeit hinter uns herum, weswegen wir sehr glücklich waren, als wir schließlich vollständig waren und uns von den Affen verabschieden konnten und wieder nach Hospet fuhren. Von Hospet aus ging es mit dem Schlafbus weiter nach Gokarna, dazu mehr im nächsten Blogartikel. 


Montag, 8. Januar 2018

Kurzes Update!

Ups, da habe ich fast einen Monat nichts mehr hochgeladen! Wie es dazu kam? Ich habe unglaublich viel erlebt! Um euch kurz auf den neusten Stand der Dinge zu bringen ist dieser Artikel da.
(Die „hier“-Links werde ich nach und nach einfügen, wenn ich die dazugehörigen Artikel geschrieben habe.)

Ab dem 20.12. war ich mit ein paar anderen Freiwilligen aus Hyderabad im Urlaub. Wir sind zunächst mit dem Schlafzug nach Hampi gefahren, wo wir einen Tag verbrachten, lecker gegessen haben und mit Affen Bekanntschaft gemacht haben. Den Blogartikel dazu gibt es hier. Danach ging es mit dem Schlafzug weiter nach Gokarna, einem Urlaubsort am Strand, wo wir gemeinsam unser Weihnachtsfest verbrachten und einen wunderschönen Urlaub genossen. Den ausführlichen Bericht darüber findet ihr hier und hier.

Direkt nach dem Urlaub sind meine Mutter und mein Freund zu mir nach Hyderabad gekommen, wo wir gemeinsam Silvester und den Geburtstag meines Freundes feierten. Wir verbrachten auch einige Tage in der Hafenstadt Visakhapatnam und genossen unsere gemeinsamen Tage. Anfang Januar sind die beiden wieder nach Deutschland geflogen und ich bin wieder in meinen Alltag in Hyderabad zurückgekehrt. Die Blogartikel dazu sind hier.

!DIE AUSFÜHRLICHEN BLOGARTIKEL FOLGEN IN DEN NÄCHSTEN 2 WOCHEN!



Montag, 11. Dezember 2017

Mein Diwali - Festival

Diwali, Divali, Dipavali, Deepavali oder einfach Lichterfest ist ein jährlich stattfindendes hinduistisches Festival, welches sich über mehrere Tage hinweg erstreckt. Es wird in ganz Indien gefeiert, dieses Jahr war der Höhepunkt am 19.10.
Die Kernaussage des Festivals ist der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lebens über den Tod und des Lichts über den Schatten. Hier in Südindien bezieht sich das Fest auf den Gott Krishna und seinen Sieg über den Dämonen Naraka. In Nordindien hingegen bezeichnet es den Tag, an dem der Gott Rama mit seiner Ehefrau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14 Jahren im Exil in seine Heimat zurückkehrt. Zu diesem Anlass entzündeten Hindus Öllampen, die den Weg Ramas säumten.

Der Kern von Diwali sind die vielen Lichter, die die Häuser von innen und außen schmücken, zum Fest entzündet werden und – seit wenigen Jahren erst – abends in einem gigantischen Feuerwerk in die Luft geschossen werden. Ursprünglich wurden lediglich Öllampen verwendet, die die Häuser der Gläubigen geschmückt haben, dieser Brauch wurde aber stark ausgeweitet. Diese Lichter sollen den Geistern der Verstorbenen den Weg in das Land der Seligkeit zeigen.
Mein Diwali durfte ich in einer hinduistischen Familie erleben. Ich wurde von einer Mitarbeiterin Bhumikas nach Hause eingeladen, wo wir gemeinsam aßen und den Vormittag verbrachten. Am Nachmittag zeigte mir die Tochter der Familie das Gelände der Universität, an der sie Psychologie studiert.

Da ich erwartet hatte, die Bibliothek, Mensa und die Hostels der Jungen und Mädchen gezeigt zu bekommen, war ich nicht wenig überrascht, als wir, die Tochter der Familie, drei Freunde von ihr und ich, plötzlich abbogen und die Landschaft um die Universität herum betrachteten. Nach einem kleinen Aufstieg erwartete uns der Ausblick auf ein riesiges, bewachsenes und wunderschönes Gelände. Mir wurde erklärt, dass dieses Gelände der Universität von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde, um um die Universität herum Natur und keine laute und stressige Stadt zu haben. Wir wanderten und kletterten ein bisschen durch die Gegend, betrachteten die Natur und unterhielten uns über viele verschiedene Themen.

Als wir am Abend zurück in die Wohnung der Familie kamen, waren wir beide müde aber glücklich mit dem Tag und der schönen Wanderung. Der Abend endete damit, dass sich alle Bewohner der riesigen Kolonie, in der die Familie wohnt, auf der Straße trafen und Unmengen an Feuerwerkskörpern in den Himmel geschossen wurden. Auch wenn es wunderschön war, war es auch sehr laut und teilweise gefährlich, das war mir in dem Moment aber ziemlich egal, ich genoss es einfach, den Abend mit der Familie verbringen zu können.


Danach machte ich mich auf den Weg in meine Wohnung, viel Schlaf bekam ich in dieser Nacht allerdings nicht, da meine Nachbarn, die die Tage zuvor schon ausgiebig geböllert hatten, in dieser Nacht feierten was das Zeug hielt. Ich nahm mein Schicksal hin, stellte mich auf den Balkon und genoss noch einige Zeit die Feuerwerke, die sich über ganz Hyderabad ausbreiteten, bis mich schließlich die Müdigkeit übermannte und ich schließlich doch schlafen ging.
Obwohl ich kein großer Freund von Wunderkerzen bin, habe ich trotzdem eine gehalten!


Dienstag, 28. November 2017

Mein Zwischenseminar in Coimbatore

Vom 13.11-18.11 war ich auf dem Zwischenseminar in Coimbatore. Damals, als ich in Indien mein erstes Seminar hatte, schien mir das Zwischenseminar unglaublich weit weg, die 99 Tage bis dahin vergingen aber wie im Flug. Jetzt, am 21.11.2017, an dem ich diesen Beitrag verfasse, sind es noch 129 Tage, bis es für mich wieder zurück nach Deutschland geht. Zum einen erscheint mir das sehr lang, zum anderen bin ich mir aber sicher, dass diese Zeit schneller rumgehen wird, als die ersten Monate.

Zu dem Zwischenseminar sind wir von Pondicherry aus mit dem Schlafbus gefahren, eine weitere neue Erfahrung in meinem Leben. Obwohl ich zunächst nicht davon ausgegangen war, dass ich Schlaf finden wurde, schlief ich irgendwann gegen 23 Uhr ein und wachte um kurz vor 5 wieder auf, eine halbe Stunde vor unserer Ankunft. Schließlich am Busbahnhof von Coimbatore angekommen wurden wir eine Stunde später vom Fahrer der Organisation abgeholt, der uns zum KKID Gelände fuhr, wo wir die nächste Woche verbringen würden. Erschöpft schauten wir uns unsere Zimmereinteilung an und waren etwas verwirrt, da wir, im Gegensatz zu unserem Einführungsseminar, nicht mit dem Tandempartner in einem Zimmer waren, sondern jeder ein Zimmer für sich selbst hatte. Erschöpft von der Reise und der Uhrzeit beschlossen wir, uns da später am Tag drüber zu wundern und legten uns noch ein paar Stunden schlafen, bevor unser Programm schließlich startete.

Als Marlene mich schließlich weckte, schreckte ich aus meinem Schlaf hoch, zog mich grummelig an und ging in unseren Tagungsaal. Dort sah ich zum ersten Mal seit dreieinhalb Monaten meine Mitfreiwilligen wieder. Wir wurden alle von unserer indischen Koordinatorin Malathi und unsern deutschen Koordinatorinnen Andrea und Kirsten begrüßt, die genauso froh schienen, uns zu sehen wie wir sie. Den ersten Tag verbrachten wir damit, unsere NGOs und Projekte vorzustellen und uns untereinander auszutauschen. Auf meine Frage, warum wir alle in Einzelzimmern untergebracht wären, wurde mir geantwortet, dass es für uns vielleicht mal ganz schön wäre, ein paar Nächte alleine zu schlafen. Auch wenn ich inzwischen ja keinen Tandempartner mehr habe, kann ich diese Idee gut nachvollziehen und auch die anderen wirkten sehr glücklich mit der Möglichkeit, die Woche ein eigenes Zimmer zu haben.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Teambuilding Spielen, Ideen-Austausch-Möglichkeiten, Spielen, Gruppendiskussionen und generell ganz viel Austausch untereinander, egal ob projektspezifisch oder privat. Auch hatte jeder von uns ein Einzelgespräch mit Kirsten und Andrea, in dem wir über private Probleme, das Projekt, unsere Gesundheit, andere Themen bezüglich unseres Freiwilligendienstes oder auch einfach generell sprechen konnten.
Auch machten wir zwei Ausflüge, den einen in ein Dorf namens Anaikatti, das direkt an der Grenze zum Bundesstaat Kerala liegt und wir deswegen auch einen kurzen Abstecher nach Kerala machten. In dem Dorf bekamen wir Chai und verschiedenste indische Snacks und Süßigkeiten, von denen ich leider aber nicht probieren konnte, da ich die gesamte Woche mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte.

Der zweite Ausflug ging in den Stadtkern von Coimbatore, wo wir zunächst ein bisschen Zeit hatten, uns umzuschauen, denen, die sie brauchten, eine Apotheke gezeigt wurde und Marlene und ich den bösen Fehler machten, in ein Schmuckgeschäft zu gehen, was wir beide nicht mit leeren Händen und Füßen verließen, da wir uns beide typisch indische Fußkettchen, Ohrringe und ich mir einen Nasenring kauften. Der krönende Abschluss des Abends war das Abendessen bei Pizza Hut, einige der Freiwilligen freuten sich, nach Monaten wieder westliches Essen zu bekommen, ich freute mich auch, aber nicht so sehr wie die anderen, da ich in Hyderabad an Pizza und dergleichen keinen Mangel habe.

Am Freitagabend, als unser Programm offiziell beendet war, fragte Kirsten uns, ob wir Lust hätten, uns mit einer ehemaligen weltwärts-Freiwilligen und ihrer indischen Familie zu treffen, die seit einigen Jahren in Coimbatore wohnt und gerade dabei ist, ein Meditationscenter in den Bergen um Coimbatore zu errichten. Marlene und ich sagten sofort zu, da wir beide darauf erpicht sind, so viel wie möglich erleben und mit nach Hause zu nehmen.

Wir quetschten uns also am Abend mit 5 Erwachsenen und 2 Kindern in ein kleines Auto und fuhren in die Berge. Wir staunten nicht schlecht, als wir aus dem Auto stiegen und die Landschaft um uns herum betrachteten. Wir sahen Berge, die Pfade, speziell für Elefanten angelegt, aufwiesen, Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte und generell eine Aussicht, die wir uns nie erträumt hätten. Die Familie zeigte uns das Gelände und auf Kirstens Frage, ob es hier Schlangen gäbe, bekamen wir die entspannte Antwort „Ja gibt es, aber ich habe bisher noch keine gesehen.“ Diese Antwort ließ mich zunächst etwas schlucken, aber nach dem Hinweis, dass die Schlangen sowieso vor uns wegschlängeln würden, entspannte ich mich und genoss einfach die grüne Umgebung. Wir bekamen einen Kaffee und Snacks gereicht, inzwischen konnte ich auch wieder etwas davon essen und einige Zeit später machten wir uns wieder zurück auf den Weg ins KKID, wo es Zeit wurde, sich zu verabschieden.

Marlene und Hannah fuhren an dem Abend wieder nach Pondicherry, ich würde aber erst am nächsten Morgen nach Hyderabad fliegen, weswegen wir den Abend in einer kleinen Runde aus 5 Freiwilligen und Kirsten verbrachten, einen Film über einen Amerikaner in Indien schauten und gemeinsam die Woche ausklingen ließen.

Mein Heimflug am nächsten Morgen verlief gut, ich hatte nur vergessen, meine Nagelschere aus meinem Mäppchen zu holen und musste sie deswegen am Flughafen zurücklassen. Als ich schließlich nach meiner 2-wöchigen Abwesenheit meine Wohnung betrat, war ich froh, wieder „zuhause“ zu sein.

Donnerstag, 23. November 2017

Meine Woche in Pondicherry

Nachdem ich vom Flughafen abgeholt wurde, fuhren wir zum Büro der NGO. Dort gab es Mittagessen, Marlene und Hannah hatten dankenswerterweise für mich mitgekocht, mir wurden die Mitarbeiter vorgestellt und einige Filme über die NGO gezeigt. Wir machten uns dann auf den Weg zur Wohnung von Marlene und Hannah, ich zu Fuß mit Rucksack, die Mädels mit ihren Fahrrädern, mit denen sie jeden Tag zur Arbeit fahren. In der Wohnung angekommen war ich ziemlich überrascht. Im Gegensatz zu meiner Wohnung wird diese Wohnung nämlich schon seit Jahren von den Freiwilligen der NGO genutzt und sah dementsprechend bewohnt aus. Es gab Bücher, Spiele, DVDs und viel anderes, was zeigt, dass diese Wohnung viel genutzt wird. Nachdem ich mich ein bisschen frisch gemacht hatte, machten wir uns auf den Weg zum Strand.

Dabei habe ich festgestellt, dass Pondicherry und Hyderabad viele Unterscheide aufweisen. Pondicherry war bis 1954 eine französische Kolonie, was sich in der Bauweise vieler Häuser und auch der Anordnung der Straßen zeigt. Die Straßen sind breiter als die in Hyderabad, die Häuser sehen anders aus und es gibt viel mehr Bäume und Sträucher. Auch sind in Pondicherry viel mehr Touristen als in Hyderabad. Marlene und ich haben irgendwann angefangen, zu erraten, aus welchen Ländern die Touristen kommen könnten. Wir verbrachten den Abend am Strand und ich genoss es, das Meer wieder zu sehen und einfach ein bisschen frische Luft schnuppern zu können. Als wir an einem kleinen Straßenstand Snacks und einen Tee holen wollten, fiel uns das Getränk „Masala Milk“ ins Auge. Masala ist eine Gewürzmischung, die in allen möglichen Speisen eingesetzt wird, in Milch konnten wir sie uns aber nicht vorstellen, als wir dann aber mutig waren und probierten, stellten wir fest, dass es, wenn auch ungewohnt, sehr lecker war!
Am Abend setzten wir uns in ein Restaurant, aßen Biriyani und genossen es einfach, uns über alle möglichen Themen auszutauschen.

Am nächsten Tag machten wir einen Field Visit zu einer Fabrik, in der eine Milchspeise hergestellt wird, die für viele indische Süßigkeiten die Basis bildet. Irgendwann wurden wir aufgefordert, es auch mal selbst zu probieren und schließlich stand ich da, eine riesige Kelle in der Hand und rührte in der Milch-Zucker-Mischung umher, bis mir der Mitarbeiter die Kelle schließlich wieder abnahm um es wieder richtig zu machen. Danach ging es weiter in ein Training Center der Organisation, in dem viele Kurse über Hygiene und Sauberkeit gegeben werden, Toilettenbausätze hergestellt und vorgestellt werden, Bananen und Kokosnüsse angebaut werden und der Prototyp für einen Gemüsegarten angelegt wurde, an dem Besuchern der Workshops gezeigt wird, wie sie selbst einen solchen Garten anlegen können. Danach gingen wir zu einem anderen Strand an dem ich meine Füße tief in den Sand eingraben konnte und erneut das Meer und die Ruhe genießen konnte.

An Tag 3 machten wir uns mit dem Bus auf den Weg in das Dorf S.Puddur, in dem eine Außenstelle von REAL ist. Dort sind wir vormittags in die Schule gegangen, haben mit den Kindern ein bisschen englisch geübt und sind abends zu einem Kinderheim gegangen, wo wir mit den Kindern Spiele gespielt und Lieder gesungen haben. Leider wurde ich dort von oben bis unten von Moskitos zerstochen, weswegen ich es kaum abwarten konnte, wieder in das Büro und damit unser Schlafzimmer zu kommen.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, um das Frühstück zuzubereiten, was aus Dosa, eine Art Reispfannkuchen, und einem Chutney bestand. Dann ging es wieder in die Schule und am Abend wieder zu dem Kinderheim, diesmal war ich so schlau und cremte mich vorher dick mit Mückenschutzmittel ein, ein paar Stiche bekam ich zwar trotzdem ab, aber lange nicht so viele wie am Abend zuvor.

Samstags wurden wir morgens mit zu einem Field Visit genommen, bei dem uns Reisfelder gezeigt wurden, die von REAL gesponsert und den dortigen Farmern zur Verfügung gestellt werden. Da Reis sehr viel Wasser zum Wachsen braucht ist es teilweise sehr schwer, ihn anzubauen, wenn keine Bewässerung zur Verfügung steht, dafür sorgt REAL aber bei den Projekten. Wir schauten uns also die Reisfelder mit verschiedenen Reissorten und Erntezeiten an als auf einmal unser Fahrer mit einem Krebs in der Hand auf uns zukam und sich herzlich über unsere etwas erschrockene Reaktion amüsierte. Wir fuhren weiter und uns wurde noch eine Guaven Farm und ein Kompostprojekt gezeigt. Als Marlene und ich ein Kalb erblickten und entzückt quietschten, schlug uns der eine Bewohner des Dorfes vor, die Kühe zu streicheln und füttern, was wir dankend annahmen. Danach führen wir wieder zurück in das Büro, packten unsere Sachen und fuhren mit dem Bus wieder zurück nach Pondicherry. Dort gingen wir ein bisschen shoppen und abends Pizza essen.


Am nächsten Tag hieß es wieder packen, weil es am Abend für uns drei nach Coimbatore zu unserem Zwischenseminar gehen würde. Wir aßen zu Mittag und gingen den Tag ruhig an und machten uns dann am Abend auf den Weg zum Busbahnhof, von wo aus wir mit einem Schlafbus nach Coimbatore fahren würden. Über dieses Abenteuer berichte ich dann in meinem nächsten Blogartikel.

Mit Marlene am Strand

Inter Project Visit – Der Weg nach Pondicherry

Als Melanie wieder nach Deutschland geflogen ist, meinte unsere indische Koordinatorin, dass ich auf keinen Fall für einen langen Zeitraum alleine bleiben soll und schlug mir deswegen vor, ein anderes Projekt mit Freiwilligen der KKS zu besuchen. Dieser Inter Project Visit wurde die letzten Jahre immer durchgeführt, allerdings wurde er dieses Jahr ausgesetzt, weil wir über ganz Indien verteilt sind und die Strecken zwischen den Projekten zu lang sind, um sich gegenseitig zu besuchen. Als es mir dann aber vorgeschlagen wurde, nahm ich es gerne an und wusste auch schon direkt, dass ich das Projekt von Marlene und Hannah besuchen würde, weil ich mich mit Marlene in den Vorbereitungsseminaren sehr gut angefreundet hatte und wir auch über WhatsApp viel Kontakt haben.

Meine Organisation sprach den Besuch dann mit REAL, der Organisation von Hannah und Marlene ab und knapp einen Monat, nachdem es geplant wurde, machte ich mich am 7.11. auf den Weg nach Pondicherry, eine Stadt an der Küste Indiens im Bundesstaat Tamil Nadu. 

Allein die Hinreise war für mich ein eigenes kleines Abenteuer, da ich in meinem Leben noch nicht viel geflogen bin und alleine schon gar nicht. Als ich mit dem Taxi, meinen Tickets und meinem großen Reiserucksack am Flughafen ankam, war ich dementsprechend aufgeregt. Ich stellte mich in die Schlange am Eingang des Flughafens, wo man sein Ticket und seinen Reisepass vorzeigen muss. Und da kam schon die erste Hürde auf mich zu. Das Reisebüro hatte nämlich meine beiden Vornamen und meinen Nachnamen ziemlich durcheinandergeworfen und auf einmal hieß ich nicht mehr Viola Clementine Daub, sondern Violadaub Clementine. Der Security-Mensch blickte auf mein Ticket, meinen Reisepass, wieder auf das Ticket, den Reisepass und schließlich in mein – hoffentlich – zuversichtliches Gesicht und ließ mich schließlich durch. Hürde Nummer 1 war also geschafft. Nun ging es weiter zur Gepäckabgabe, Hürde Nummer 2, ich hatte nämlich keine Ahnung, wie schwer mein Rucksack war und ich hatte insgesamt 15 Kilogramm zur Verfügung. Als ich mein Gepäck aber auf das Laufband legte und die Waage 9 Kilo anzeigte, fiel ein weiterer Stein von meinem Herzen. Die Mitarbeiterin der Airline drückte mir mein Ticket in die Hand und lächelte mich freundlich an. Ich machte mich als weiter auf den Weg zur Hürde 3, Sicherheitskontrolle. Ich stellte mich in der Reihe für „Ladies“ an und als ich an der Reihe war, gab ich brav meine Trinkflasche ab, legte mein Notebook und meine restliche Elektronik neben meinen Rucksack in eine Schale, wurde in einer kleinen Kabine kurz aber gründlich überprüft, nahm meinen Rucksack und meinen anderen Kram wieder in Empfang und machte mich, glücklich dass ich auch diese Hürde hinter mich gebracht hatte, auf den Weg in den Flughafenbereich.
Dort angekommen suchte ich zunächst nach einem „westlichen“ Frühstück, das indische Frühstück ist nämlich sehr würzig und fettig, was ich nicht mag. Ich fand schließlich eine Bäckerei, holte mir ein Käsesandwich und einen Kaffee und setzte mich an einen Tisch. Als ich mich umschaute, stellte ich fest, dass ich nicht die einzige war, die das westliche Frühstück bevorzugt, um mich herum saßen nämlich fast nur Europäer, zumindest sahen sie so aus. An meinem Nachbartisch saß eine Gruppe von drei Schweizer Geschäftsmännern, die mich genauso interessiert beäugten wie ich sie. Nachdem ich fertig gefrühstückt hatte, schaute ich mich ein bisschen im Flughafen um und suchte nach einem Elektronikgeschäft, meine Freundin aus Pondicherry hatte mich nämlich gebeten, ihr eine Powerbank mitzubringen. Gesagt, getan und als ich schließlich auf die Uhr schaute, bemerkte ich, dass es Zeit für mich war, mich auf den Weg zu meinem Gate zu machen. Als ich nach ein paar verwirrten Minuten schließlich das Gate fand, setzte ich mich dort hin und verbrachte meine Zeit damit, den Blogartikel über die Paigah Tombs zu schreiben und hochzuladen. Als es Zeit fürs Boarding wurde, packte ich meine Sachen wieder zusammen und stellte mich in die Schlange. Ich zeigte mein Ticket vor, stieg in den Bus, der uns zum Flugzeug bringen würde, stieg ins Flugzeug und setzte mich an meinen „Fenster“platz. Mein Sitz war nur leider genau zwischen zwei Fenstern, was hieß, dass ich mich verrenken musste, um aus dem Fenster schauen zu können aber wenn das das einzige Problem an der Reise sein sollte, fand ich mich damit ab und wartete gespannt darauf, dass es losging.

Als wir schließlich abhoben, wusste ich meinen Platz immer mehr zu schätzen, ich saß nämlich direkt unter den Tragflächen und konnte deswegen beobachten, wie sich die Räder beim Anlauf nehmen schneller und schneller drehten, einzogen und bei der Landung wieder ausgeklappt wurden und das Flugzeug sicher am Boden ankommen ließen. Diesen Vorgang sah ich nämlich zum ersten Mal aus nächster Nähe und er beeindruckte mich nicht wenig. In Pondicherry gelandet liefen wir alle vom Flugzeug in den kleinen Flughafen, ich nahm meinen Rucksack entgegen und bemerkte, dass dieser einen zwar angenehmen aber unglaublich intensiven Geruch ausströmte. Ich musste feststellen, dass mein Parfüm ausgelaufen war, was aber halb so schlimm war, weil es sowieso schon fast leer war. Nun stand ich da, mit meinen beiden wohlriechenden Rucksäcken und blickte mich um, ob ich irgendwo die beiden Mädels und ihre Mentorin erblicken würde, die mich vom Flughafen abholen wollten. Ich sah sie zwar nicht, mich rief Marlene dann aber an und sagte mir, dass sie gleich da sein würden, weswegen ich mich ans Ausgangstor stellte und wenige Minuten später von ihnen eigesammelt wurde. Was wir in dieser Woche alles erlebt haben, findet ihr in diesem Blogartikel.